Oh Herr, wirf Pasta vom Himmel! Denn eine neue Bewegung ist im Lande, die bestehende Sekten, das Christentum und andere Religionen ganz schön auf die Schüppe nimmt. Woran diese Bewegung so glaubt? An ein fliegendes Spaghettimonster. Ja nee, is’ klar…
Ohne Witz, ich hab auch ganz schön blöd geguckt, als uns unsere Relilehrerin zum Thema Sekten den „Pastafarianismus“ vorstellte. Sagt einem ja erst einmal nichts. Aber als dann ihre Erklärung kam, die Mitglieder dieser Bewegung würden an das heilige Spaghettimonster glauben, war es mit der Ernsthaftigkeit ganz zu Ende.
Und doch gibt es sie, die „Pastafari“. Sogar hier in Deutschland und mit weltweit, laut eigenen Angaben, inzwischen mehr als zehn Millionen Anhängern – mit steigender Tendenz!
Entstanden ist die Antireligion FSM (Flying Spaghetti Monster) im Juni 2005. Als in Amerika über das so genannte Fach „Intelligent Design“ (ein alternatives Fach zur Evolutionslehre in Biologie) diskutiert wurde, beschloss Bobby Henderson, der Schulbehörde von Kansas einen Brief zu schreiben, in dem er forderte, dass dann auch SEINE Glaubenslehre im Unterricht vermittelt werden müsse.
Die Religionsparodie der Pastafari, wie sich die Mitglieder selbst nennen, soll zu verstehen geben, dass religiöse Inhalte im Wissenschaftsunterricht nichts zu suchen haben, völlig ungeachtet des persönlichen Glaubens. Allerdings gewann diese eigentlich lustig gemeinte Idee schnell Sympathisanten. Besonders das Internet trug zu diesem Phänomen bei. Immer mehr Weblogs und Internetseiten wurden zu dem Thema „Mein Gott, ein Nudelmonster!“ gegründet.
Aufsehen erregte auch der Blog „Boing Boing“, als dessen Macher ein Preisgeld von 250.000 Dollar für denjenigen aussetzten, der empirisch beweisen könne, dass Jesus NICHT der Sohn des fliegenden Spaghettimonsters sei. Ganz schön abgedreht... doch das Preisgeld wurde mittlerweile auf 1 Millionen Dollar erhöht!
Allerdings geht es bei diesem Wettstreit nur darum, das Prinzip des Unmöglichen zu unterstreichen. Die Pastafari selbst glauben nicht daran, dass Jesus der Sohn des fliegenden Spaghettimonsters ist. Zentrale Glaubensinhalte der Pastafari sind dagegen zahlreich, wenn auch nicht ganz nachvollziehbar.
So wurde die Welt von dem fliegenden Spaghettimonster erschaffen, das alle Hinweise auf eine Evolution bewusst gestreut hat, um die Menschheit zu verwirren.
Der Nudelgott verlangt zudem das Tragen von... jetzt kommt’s... Piratenklamotten! Warum? Ganz einfach: Für die Pastafari gilt als empirisch bewiesen, dass die einzige Ursache für die globale Erwärmung, Orkane und andere Naturkatastrophen die sinkende Zahl der Piraten seit Beginn des 19. Jahrhunderts ist. 2008 interpretierte der „Prophet“ und Gründer Bobby Henderson die wachsenden Piraten-Aktivitäten am Golf von Aden als einen weiteren Beweis für die Richtigkeit der Erderwärmungsthese, denn es sei festzustellen, dass Somalia weltweit die höchste Piraten-Dichte und gleichzeitig die niedrigste CO2-Emission aufweise. Da fragt man sich doch: Bisschen deppert, der Herr?! Aber das ist längst nicht alles.
Gebete beenden die Pastafari mit dem Wort „Ramen“. Abgeleitet von Amen, ist Ramen zusätzlich eine weit verbreitete Nudelsuppe in Japan.
Auch als Gegensatz zu den zehn Geboten im Christentum ließen die Pasta-Verehrer sich etwas einfallen. Nämlich die zehn „Am liebsten wäre mir’s“, die vom Spaghettimonster selbst gepredigt werden. Diese sprechen sich unter anderem gegen Diskriminierung, Vorurteile, religiöse Dogmen und Frauenfeindlichkeit aus.
Nach dem Tod erwartet die Anhänger des Pastafarianismus im „Himmel“ unter anderem ein Biervulkan und eine Stripper-Fabrik. Na, wenn das mal nicht religiös ist :D Yeah, jetzt wollen wir doch alle direkt Pastafari werden, wa, Jungs?!
Als Anspielung auf die Christen benutzen die Pastafari nicht deren Lebensmaxime W.W.J.D. (What would Jesus do?), sondern das Kürzel W.W.A.P.D. (What would a Pirate do?).
Und auch ihr Logo leiten sie als Parodie vom Fisch im Christentum ab. Die Form ist ähnlich, nur hat das Spaghettimonster oben zwei Augen und unten viele Spaghettiarme. In seinem Bauch steht das Kürzel FSM.
Doch damit noch nicht genug. Eine eigenständige „Religion“ braucht ja auch eigenständige Feiertage! Und auch in der Hinsicht ließen die Pastafari ihrer Fantasie freien Lauf. Das wichtigste Fest und die wichtigsten Feiertage sind die Holidays. Da man sich als Nudelanhänger nicht an religiöse Vorschriften zu halten braucht, gibt es weder definierte Tage noch Zeiten für dieses Fest. Es wird lediglich in der Weihnachtszeit veranstaltet, könnte aber auch an jedem anderen Tag stattfinden. Jedenfalls wird zu dieser Zeit gerne und viel Alkohol getrunken und mit der Familie und Freunden viel gefeiert. Was da jetzt wirklich gefeiert wird, lassen die Pastafari allerdings außen vor.
Das „Passtahfest“ hingegen entspricht dem Pessachfest bei den Juden und dem christlichen Ostern. Zu dieser Zeit verspeisen Pastafari große Mengen an Pasta, die natürlich ganz „traditionell“ in Piratenkluft zubereitet werden.
„Ramendan“ entspricht der islamischen Fastenzeit. Pastafari ernähren sich zu dieser Zeit ausschließlich von der bei Studenten beliebten Instant-Nudelsuppe „Ramen“, um der Zeit zu gedenken, als sie noch hungrige Studenten waren. Am Ende der Fastenzeit verschenken Pastafari den übrig gebliebenen Vorrat an Instant-Nudelsuppe an Bedürftige.
Halloween ist auch ein sehr wichtiger Feiertag für Pastafari. An diesem Tag gedenken sie der Piraten, als diese noch in Freiheit über die Meere segelten. Pastafari verkleiden sich zu Halloween meist als Piraten (als was auch sonst) und verschenken Süßigkeiten an Kinder. Laut des Evangeliums des Fliegenden Spaghettimonsters waren Piraten früher bekannt dafür, Süßigkeiten an Kinder zu verteilen, nahmen jedoch von dieser Tätigkeit Abstand, als man sie zu verfolgen begann.
Aber natürlich setzen sie noch einen drauf! Haha, am 19. September ist nämlich Sprich-wie-ein-Pirat-Tag, an dem man ausschließlich Piratenkostüme trägt und an jeden Satz ein „Arrr“ als Schlusswort hinzufügen soll. Angeblich finden rund 50 Prozent der jährlichen Beitritte zum FSMismus an diesem Tag statt, und man stelle sich das mal vor: Dieser Tag wird sogar im Onlinespiel „World Of Warcraft“ gefeiert!
Der heiligste Feiertag ist allerdings der Freitag. Ganz nach nudeligem Glauben soll man es an diesem Tag mal „ruhig“ angehen lassen. Dieser Tag steht nämlich für die Jenseitsvorstellung der Pastafari. Was allerdings etwas verwirrt... denn in deren Jenseits gibt es ja auch Biervulkane und Strippermanufakturen :D So viel zum Thema „ruhig angehen lassen“.
So viel also zu einer Parodiereligion, die an fliegendes Essen mit der Fähigkeit, die Menschheit zu verwirren, und den Einfluss des weltweiten Piratenaussterben auf die globale Erderwärmung glaubt...
Ich koch mir jetzt erst einmal ‘nen Teller Nudeln, und dann mal sehen, vielleicht begegnet mir ja in einer göttlichen Eingebung das heilige Spaghettimonster mit Soße.:D
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LESERBRIEF:
Von: Frau Rhode
Betr.: „Fliegendes-Spaghetti-Monster-Unser“
vom 16. Februar 2010
NEIN! DAS GEHT ZU WEIT! Die Redaktion der RZ erlaubt sich (nicht einer Sechzehnjährigen) die Veröffentlichung einer Blasphemie über eine ganze Scenarioseite.
Da wird nichts ausgelassen, nicht das weltbekannte, bedeutende Renaissancegemälde der Schöpfung von Michelangelo, das sakrale Gebet gläubiger Milliarden Menschen, das Fischsymbol der frühen, todesbereiten Christen, jüdische, christliche, moslemische Feiertage und Lebensregeln, Umweltschutz und Kriminalität. Es gibt kein Tabu, alles ist erlaubt. Das ist kein Scherz, sondern Spott und Missachtung dessen, was anderen heilig ist.
Nein! Diese Presse-„Freiheit“ ist Missbrauch. Es gibt Grenzen! Eine Jugend, die keine Werte kennt, keine Menschheitsschätze achtet, steht satt und leer, mit Nudeln bis zum Speien abgefüllt vor NICHTS.
Auch Sie als Zeitung sollten Gebote achten – und sei es aus SELBSTACHTUNG!
Haben Sie die Selbstkritik, das zu veröffentlichen?
(Anmerkung der Redaktion: Liebe Frau Rhode. Natürlich veröffentlichen wir Ihren Leserbrief. Viele Grüße. Die Scenario-Redaktion)
Leserbriefe geben nicht unbedingt die Meinung der Redaktion wieder. Wir behalten uns Kürzungen vor. Übrigens: Nicht vergessen, den Namen und die vollständige Anschrift anzugeben!
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Leute! Steckt die Steine so langsam mal wieder ein ;-)
Ich steh ja auch hinter den Kommentaren, aber ich glaub Frau Rhode hat langsam mal genug. *g*
Liebe Frau Rhode,
dieser Text stellt, wie im ersten Satz gesagt, diese Religion vor. Es gibt tatsächlich Leute, die daran glauben und diesen Glauben ganz genau so ernst nehmen, wie Sie den Ihren. Höchstwahrscheinlich würde ein "Pastafari" Ihre Religion als ebenso Blasphemisch abtun wie Sie es mit seiner machen. Die Religion der "Pastafari" wird in Amerika sogar anerkannt, wie ich auf einer Internetseite las. Daher sollten sie nicht so kleinlich mit allem und jedem umgehen, der Ihren oder andere Glaubensgemeinschaften angreift, kritisiert, parodiert oder sonst was. Abgesehen davon: Niemand hat Gott bisher gesehen. Es kann also gut sein, dass Gott die Gestalt eines FSM hat. Lassen Sie also anderen ihren Glauben und wir lassen Ihnen den Ihren.
In diesem Sinne,
Christian
Meiner Meinung nach ist der Autorin und auch der Redaktion hier gar nix vorzuwerfen :D
Es wurde lediglich darüber berichtet, halt das, was eine Zeitung tut! ^^
Bei Scenario können halt auch mal die Leser die Themen mitbestimmen. Und wenn die Autorin halt über sowas schreiben will, warum es dann auch nicht veröffentlichen?!
Also bitte, nicht übertreiben ;P
Jaja, wir, die wertefreie Jugend, die vor dem Nichts steht und keine Menschheitsschätze achtet. Natürlich missbrauchen wir die sogenannte Pressefreiheit und missachten alles, was anderen heilig ist. Achja und ganz nebenbei werden wir in einem zerstörten Klima leben, was uns die ach so gute Generation vor uns hinterlassen hat und bezahlen deren Rente, wirklich ungeheuerlich wie wertefrei wir sind xD
Ich weiß zwar nicht, wo Menschen wie Sie unterrichten und lehren, aber Ihre Mitmenschen tun mir leid, weil die sich diesen ganzen Quatsch tagtäglich anhören müssen. Ernsthaft, wer hat Ihnen die Handtasche geklaut, dass Sie eine gesamte Generation so niedermachen müssen. Immerhin laufen wir auch nicht durch die Gegend und halten Ihnen vor, dass Sie die Wirtschaftskrise mitzuverschulden haben und wir in dem Mist, dass Sie alle Klimawandel nennen später leben müssen. Nein, wir regen uns nicht auf, wir engagieren uns in Organisationen, wie dem Jugendparlament (falls Sie so etwas kennen) oder in anderen ehrenamtlichen Vereinen. Wer sich so über eine große Masse von Menschen auslässt, sollte sich vorher mal an die eigene Nase fassen.
Mit freundlichen Grüßen
Ihre zukünftige Rentenzahlung, die ja anscheinend alles falsch macht ;)
Liebe Frau Rhode,
meiner Meinung nach kann man es auch übertreiben^^
es ist ein Text, der diese Religionsgruppe vorstellt...das gewisse Augenzwinkern macht den Text meiner Meinung nach ausschließlich interessanter und lesbarer...keinesfalls lächerlich ;)
Mal sehen wie es weiter geht.
Ist ja schon auf irgendeine Art und Weise amüsant, dass ich anscheinend so skandalös schreibe, dass manche Menschen sich so in ihrer Ehre verletzt fühlen.
Vielen Dank für die ganze Unterstützung und find ich übrigens sehr cool, dass der Lehrer den Artikel im Unterricht vorgelesen hat ;)
Ich finde es total lächerlich, sich so über einen Text aufzuregen, der doch nur darstellen sollte, dass es auch andere Religionen (wenn auch sehr kuriose) gibt.
Wahrscheinlich denken andere auch, dass die Christen alle irre sind. Deswegen sollte man sich auch für die Religion entscheiden, die einem persönlich am besten gefällt und nahe liegt.
Übrigens: Mein Religionslehrer (ev.) hat den Artikel im Reliunterricht vorgelesen und meiner Meinung nach hatte er daran Gefallen und war amüsiert, so wie wir Schüler (12.Klasse).
Wieso verbietet eigentlich jede Religion, mehr zu glauben, als sie lehrt?
Wieso wehren sich die Leute die einem versuchen ihren Glauben aufzuschwätzen eigentlich so stark wenn man das gleiche bei ihnen versucht?
Wieso fühlen sich Leute immer gleich so angepisst wenn jemand Gott anzweifelt?
Scheuklappenalarm!
ich empfehle Southpark aus dem Jahre 2006 zum Thema
http://www.southpark.de/guide/episoden/1012/
http://www.southpark.de/guide/episoden/1013/
Cartman: "Oh mein Gott!"
Mann aus der Zukunft: "Was!? - Du glaubst noch an ein übermenschliches Wesen? - Haha!"
Sehr übertrieben, denke ich
In meinen Augen sind Wörter wie "Blaspemie", "Spott", "Missachtung" und die Aussage, die Jugend hätte keine Werte mehr, viel zu hoch gegriffen. Natürlich könnte man das sagen, würde man den Standpunkt vertreten und der Pastafarianismus sei eine wirkliche Religion. Dem ist allerdings nicht so. Im Artikel wird immer wieder erwähnt, dass es sich um eine Anti-Religion und eine Parodie auf "richtige" Glaubensgemeinschaften handelt, so oft sogar, dass ich nicht verstehen kann, wie der Bericht für ernst gemeint gehalten werden kann. Wo er zusätzlich auch noch mit deutlichem Augenzwinkern geschrieben ist. Deshalb sollten auch Menschen wie Sie, Frau Rhode, die Sache nicht so ernst nehmen und Dinge hineininterpretieren, die ganz sicher nicht stimmen. Denn wertelos sind wir, sprich die Jugend, wie viele schon erwähnt haben, ganz sicher nicht.
(von Louisa Ewald, Marl, vom 10.03.2010)