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Die kleine Oase mit ganz viel PS
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Farbenfroh, rot und kräftig strahlen die Mohnblumen am Rande des 2,5 Kilometer langen Reiterwegs, den die Patienten und Klienten des Therapiezentrums Hof Feuler tagtäglich durchlaufen und durchreiten. Leiterin Barbara Lau liebt diese Farbe. Sie ist für die Mutter ein Symbol des Glücks, das Rot erinnert sie an Hoffnung, Leben – und daran, dass es sich lohnt, für seine Träume zu kämpfen.
 
Alexander Lau war ein Sonnenschein. Jemand, der mit seinem Lachen die Menschen begeistern konnte. „Er hat uns immer motiviert, Dinge in Angriff zu nehmen, die wir unter normalen Umständen vielleicht nicht gewagt hätten“, sagt Barbara Lau und lächelt. Ihr Sohn Alexander kam einst schwerst behindert zur Welt und verstarb im Alter von nur 15 Jahren. „Seine Behinderung war für uns nie ein Thema. So wie er war, war er die treibende Kraft und der Motor für alle, die ihn kannten.“

Heute, zehn Jahre nach dem Tod ihres Sohnes, leitet Barbara Lau den Feuler Hof in Marl, ein Therapiezentrum für körperlich und geistig behinderte Menschen. Mehr als 330 Patienten und Klienten kommen inzwischen wöchentlich zur Therapie. Eine Zahl, mit der anfangs niemand rechnen konnte. „Bei der Gründung war nicht abzusehen, ob wir mit unserer Idee Erfolg haben würden“, sagt Barbara Lau. Es war ein Experiment mit ungewissem Ausgang, das sie gemeinsam mit ihrem Mann Erich, ihrer Tochter Christine und zahlreichen Unterstützern in Angriff nahm. Sie setzten sich für den Hof ein, wollten damit behinderten Menschen ein Stück Lebensqualität wiedergeben und ihre Erfahrungen mit Betroffenen teilen. Heute ist der Feuler Hof einer von vielen Ort in Deutschland, an denen das „Therapeutische Reiten für Menschen mit Behinderung“ angeboten wird.

Der Hof befindet sich außerhalb der Stadt, ist umgeben von Wäldern und Bauernhöfen. Ein Tag beginnt dort um zehn Uhr und meistens treffen dann auch schon die ersten Besucher ein. Es ist viel los in den Stunden nach der Öffnung. Viele Patienten kommen in Begleitung, mit ihrer Familie, Freunden oder Pflegern. Christine Granke ist heute mit dem Taxi gefahren. Zweimal die Woche kommt die Ehefrau und Mutter zweier Söhne zur Therapie und das bereits seit Jahren. Seit 18 Jahren, um genau zu sein. Christine Granke leidet an Multipler Sklerose und als sich damals die ersten Symptome der Krankheit zeigten, begann sie mit der Reittherapie.

Die erste Sitzung ist ihr noch gut in Erinnerung. Sie fühlte sich ein wenig unwohl, hatte „irgendwie Angst“. Schließlich hatte sie vorher so gut wie nie etwas mit Pferden zu tun gehabt. Nun sollte sie plötzlich auf ihnen reiten. „Erst war es ungewohnt, weil man sehr auf seine Haltung achten muss“, sagt Christine Granke. Die richtige Balance zu finden und im Takt des Pferdes auch noch zu halten, ist schwierig. Besonders für Menschen mit Behinderungen, weiß Therapeutin Petra-Maria Weisser.

Mit der Gerte in der Hand läuft sie neben Christine und der Haflinger Stute Montana („Monti“) her, passt auf, dass das Pferd ruhig bleibt, regelmäßig läuft und seine Reiterin nicht aus dem Gleichgewicht bringt. Das Gangbild des Pferdes ist dem des Menschen sehr ähnlich, erklärt die Therapeutin. Die rhythmischen Bewegungen des Pferdes übertragen sich auf den Reiter. Setzt man das Pferd im Rahmen krankengymnastischer Behandlungen ein, ergeben sich neue Möglichkeiten zur Therapie neurophysiologischer Störungen. „Rollstuhlfahrer bekommen auf dem Pferd beispielsweise das Gefühl, zu laufen. Bei MS-Patienten können Spastiken gelöst werden“, erklärt Petra-Maria Weisser. „Es hilft“, sagt Christine Granke und lacht. „Ich bin froh, dass es diese Therapieform gibt.“

Der Feuler Hof, den die Mitglieder des von Erich Lau gegründeten „Pflegeverein für behinderte Menschen e.V.“ vor mehr als zehn Jahren aufbauten, ist inzwischen nicht nur ein Therapiezentrum für über 330 Patienten wöchentlich geworden, sondern auch ein Fixpunkt im Leben vieler Angehöriger und Freunde. Barbara Lau, die selbst jahrelang viel Zeit in Wartezimmern verbringen musste, war es ein besonderes Anliegen, den Hof freundlich zu gestalten, einladend, um den Besuchern eine kleine Oase zu schaffen. Neben den beiden offenen und überdachten Reithallen im Hofinneren, dem Außenreitplatz und dem 2,5 Kilometer langen Reitweg, finden sich deshalb unter anderem auch ein Kräutergarten und ein Wildbienenhotel auf dem Gelände.

„Das ist mein Lebensspruch“, sagt Barbara Lau und zeigt auf eine Wand, bemalt mit Graffiti, Pflanzen, Kleeblättern und Seifenblasen. Links unter einem Schmetterling stehen die Worte: „Wer keinen Mut zum Träumen hat, hat keine Kraft zum Kämpfen.“ Auf dem Wandgemälde, das sich in der Halle befindet, wo die Hofpferde von den Helfern für die Therapie zurecht gemacht werden, ist auch ein lebensgroßes Portrait von Alexander zu sehen. Er trägt eine rote Jacke, sitzt in seinem Rollstuhl und lacht den Betrachtern entgegen. Direkt daneben befindet sich ein kleines Fenster, das Einblick in den Freiluftstall gibt. Manchmal kommt eines der Pferde vorbei und schaut hindurch. „Diese Wand soll Fröhlichkeit und Leichtigkeit vermitteln. Und sie soll daran erinnern, dass man im Leben immer auch Träume haben muss.“

Im Bistrobereich des Therapiezentrums stehen auf den Fensterbänken weiß lackierte Holzbuchstaben. Sie bilden das Wort DANKEN, links daneben steht GLÜCK. „Wir danken dafür, dass wir das alles hier machen dürfen“, sagt Barbara Lau. Das Wort Glück bringt die Leiterin des Feuler Hofs mit vielen Dingen in Verbindung. Freude. Entspannung. Fröhlichkeit. Die Farbe des Mohns. „Einmal kam ein junges Mädel zu uns auf den Hof“, erzählt Barbara Lau. „Das Mädchen war damals 16 Jahre alt und saß im Rollstuhl. Sie ist auf‘s Pferd gegangen, geritten – und konnte danach wieder laufen. Wir haben alle dagestanden und geweint vor Glück.“

Weitere Infos über das „Therapeutischen Reiten“ und die Arbeit der freiwilligen Helfer des Feuler Hofs (Linder Weg 44, Marl) gibt es im Internet unter www.pbm-marl.de oder unter der Telefonnummer 02365 / 6999610.


-- Alexandra Jegers
  • 4 Kommentare
  • 31.05.2011 um 14:33 Uhr
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Kommentare
ganz toller artikel, alex. ich glaube du hast deine berufung echt gefunden :)
31.05.2011 um 21:26 Uhr
Ne Freundin von mir hat da ein Praktikum gemacht und eine andere geht da öfters auch reiten
31.05.2011 um 20:54 Uhr
Da ist es schööön. Fast so schön wie der Artikel.
31.05.2011 um 17:49 Uhr
Ich hab ihn heute morgen in der Zeitung gelesen. Er ist super. Hast dir wahrschienlich echt Mühe gegeben. könnt ich nicht
31.05.2011 um 16:37 Uhr
Scenario ist ein Angebot aus dem Medienhaus Bauer