Jetzt ist es wieder so weit: Das erste Schulhalbjahr ist vorbei und es ist Zeit für die Zeugnisse, oder wie man in der Oberstufe zu sagen pflegt, Zeit für die Leistungsnachweise. So weit, so gut, doch diesmal gibt es einen kleinen Unterschied zu den vorherigen Zeugnissen, den sicherlich schon viele bemerkt haben.
Man nennt sie die Kopfnoten – ein berüchtigtes Bürokratiemonster, das sich am Schulhorizont aufgetan hat, mit, zumindest aus meiner Sicht, äußerst zweifelhaftem pädagogischen Sinn.
Bevor ich auf meine Kritik genauer eingehe, möchte ich kurz versuchen, die wichtigsten Punkte zu den Kopfnoten zu nennen.
Also, ein Schüler bekommt sechs Kopfnoten in allen Schulfächern, die er oder sie hat. Es gibt zwei Bereiche, in denen die Noten verteilt werden. Auf der einen Seite steht das Arbeitsverhalten und auf der anderen Seite das Sozialverhalten. Der erste Bereich gliedert sich in die Unterthemen Leistungsbereitschaft, Sorgfalt und Zuverlässigkeit und Selbstständigkeit. Der zweite Punkt besteht aus Konfliktverhalten, Verantwortungsbereitschaft und Kommunikationsfähigkeit. Zur Bewertung dieser Aspekte stehen den Lehrern vier Teilnoten zur Verfügung: Von sehr gut, über gut, bis hin zu befriedigend und unbefriedigend. Damit ist für den Anfang erst einmal alles gesagt.
An dieser Stelle ist es sicherlich interessant zu erwähnen, dass das Schulministerium in NRW in einem Rundschreiben an die Schulen acht Seiten Text benötigt, um den Lehrkräften zu erklären, wie sie die Benimm-Noten zu vergeben haben. Dieses insgesamt 12-seitige und für einen Literaturnobelpreis verdächtige Werk habe ich mir einfach einmal ausgedruckt, damit ich das nötige Hintergrundwissen für das Schreiben dieses Artikels habe. Nun gut, zunächst ein Vorwort von Barbara Sommer, der Ministerin für Schule und Weiterbildung des Landes Nordrhein-Westfalen, in dem sie einleitend darauf hinweist, dass „Schülerinnen und Schüler wie ihre Eltern … Anspruch auf klare ( ?! ) und verständliche ( ?! ) Rückmeldungen und Bewertungen auch zu diesem Entwicklungsbereich haben.“
So weit zur Theorie des Ganzen, behaltet bitte das Zitat im Hinterkopf, denn nun kommen wir zur Praxis oder besser gesagt zur Realität. Glücklicherweise habe ich als Schüler der Stufe 13 schon vor den Weihnachtsferien mein Zeugnis erhalten und kann nun schon etwas über die Bewertung sagen. Jedoch möchte ich versuchen mich präzise auszudrücken und nicht diesem oberflächlichen, alles und nichts sagenden Jargon der Politiker nachzueifern, die zum Teil nur mit schlau und durchdacht klingenden, höchst pädagogischen Fachvokabeln jonglieren.
Aber der Reihe nach! Natürlich hatten wir das Thema Kopfnoten in zahlreichen Unterrichtsstunden schon zigmal durchgekaut. Was denkt ihr? Die Lehrer haben sich hinter die Kopfnoten gestellt und sie befürwortet? Nee, verständlicherweise waren auch die Lehrer gegen die Kopfnoten, was einem natürlich etwas paradox erscheinen mag, in Anbetracht der Tatsache, dass es sich um eine Verordnung des Schulministeriums handelt. Mein Deutschlehrer hat sich sogar noch mehr aufgeregt, als seine Schüler!
Dazu muss man sagen, die Lehrer kann man verstehen. Wenn wir einfach mal annehmen, dass eine weiterführende Schule 1000 Schüler hat, und ein Schüler im Durchschnitt 10 Fächer hat, dann gibt es, 1000 Schüler mal 10 Fächer mal 6 Noten, einzelne Kopfnoten, das macht 60.000 Noten, die die Lehrer zusätzlich vergeben müssen. Ich denke, nun kann jeder nachvollziehen, wieso man die Kopfnoten bedenkenlos als Bürokratiemonster bezeichnen kann.
Also kann man festhalten: Unsere Politiker haben einen genialen Einfall, der sofort umgesetzt wird, scheinbar ohne darüber nachzudenken. Das Ergebnis: Viele Lehrer, Eltern und Schüler kritisieren die Kopfnoten, und folgendes:
Bei der Zeugnisausgabe ist dies heraus gekommen:
Der „normale“ Schüler, der sich in der Schule unauffällig verhält, ganz normal halt, bekommt einmal nur Einsen, schließlich gab es ja nichts an seinem Verhalten zu bemängeln und der andere „normale“ Schüler hat nur Zweien, da er kein außergewöhnliches Engagement gezeigt hat. So viel zum Thema Gerechtigkeit bei der Notenvergabe und dem eingangserwähnten Anspruch auf klare und verständliche Beurteilung.
Funktioniert haben die Kopfnoten bei uns schon mal nicht, bleibt natürlich die Frage offen, ob sie sinnvoll sind. Wie bereits erwähnt hat es bereits viel Kritik von den unterschiedlichsten Seiten gegeben. Die LandesschülerInnenvertretung hat sogar am 19.01 zu einer Demonstration gegen die Kopfnoten in der Landshauptstadt Düsseldorf aufgerufen. Ihre zentralen Kritikpunkte sind:
1. Kopfnoten bewerten das Verhalten eines Schülers in einem ganzen Halbjahr. Dies ist mithilfe von 6 Noten nicht möglich. Stattdessen sollte es ein direktes Feedback geben, dass das Miteinander in der Schule fördert. Lehrer können den Schülern ein mündliches Feedback geben.
2. Lehrer sind vor allem nicht in der Lage das Sozialverhalten der Schüler zu beurteilen, da sie die familiären Umstände nicht kennen, die einen viel größeren Einfluss auf die Schüler haben. Des Weiteren verhalten sich Schüler oft anders, wenn sie sich im schulischen Umfeld befinden.
3. Kopfnoten veranlassen Schüler sich zu verstellen, damit sie gute Kopfnoten erhalten.
Für mich persönlich sind die Kopfnoten auch alles andere als sinnvoll, vor allem wenn man einmal über die ungerechte Bewertung hinausblickt und einem klar wird, dass die Betriebe, die Auszubildende einstellen oder Jobs anbieten, wohl verstärkt nach den Kopfnoten schauen werden. Da geht einem doch der Hut hoch und ich bekomm’ einen dicken Hals von hier bis Wanne-Eickel, wenn der eine „normale“ Schüler, den Ausbildungsplatz bekommt und der andere ebenso „normale“ Schüler nicht.
Da kann man nur sagen, dass die Politik sich die Kopf-Noten wohl ohne Köpfchen ausgedacht hat. Zudem wird mal wieder deutlich, dass die Kommunikation zwischen Politikern und Lehrern nicht funktioniert, sodass es wohl nur noch eine Frage der Zeit ist, bis die Kopfnoten wieder abgeschafft werden. Wenn ihr an dem Thema interessiert seid, dann schaut mal auf folgende Seite: www.kopfnoten-abschaffen.de.
Auf jeden Fall gebe ich dem Schulministerium für die Kopfnoten im Arbeitsverhalten eine 4. ( Danke/Amen )
Quellen:
www.schulministerium.nrw.de/BP/ImFokus/Handreichung_AS/RS_HandreichungArbeitsundSozialverhalten.pdf
www.kopfnoten-abschaffen.de
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